19.07.2017 Zum Themendossier: Kinder in der Praxis

BALD MEHR KLEINKINDER IN DEN ZAHNARZTPRAXEN?

Zahnärztliche Prävention über das neue gelbe U-Heft gefördert

© Oksana Kuzmina / stock.adobe.com

Dr. Julian Schmoeckel, Dr. Ruth M. Santamaría, Prof. Dr. Christian. H. Splieth, Abt. Kinderzahnheilkunde, Universitätsmedizin Greifswald

Die überarbeitete Kinderrichtlinie sieht mehr zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen für Kleinkinder vor. Wir geben einen groben Überblick über die zu erwartenden Maßnahmen und ihre Hintergründe.

Die vertragszahnärztliche Vorsorge für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr wird seit Juli 2016 nachhaltig gefördert. Insbesondere die Präventionslücke vor dem 30. Lebensmonat in der vertragszahnärztlichen Versorgung konnte durch die exzellente Kooperation von KZBV, BZÄK, DGZMK, DGKiZ, DGKFO, BuKiZ und wissenschaftlicher Expertise der Universitäten weiter verkleinert werden. Bei ungefähr 10-15 % der 3-Jährigen liegt zurzeit eine frühkindliche Karies ("early childhood caries" [ECC]) vor. Die Prävalenz zu reduzieren oder sogar auf null zu senken, ist das ehrgeizige Ziel.

Im Rahmen der sehr langwierigen Überarbeitung der Kinderrichtlinie, die die Verfahren des sogenannten Gelben U-Hefts (Kinderuntersuchungsheft, Abb. 1) enthält, konnten erstmalig sechs rechtsverbindliche Verweise vom Kinderarzt zum Zahnarzt für Kinder vom sechsten bis zum 64. Lebensmonat in Form von Ankreuzfeldern zur Dokumentation etabliert werden (Tab. 1). Einen entsprechenden Beschluss konnte die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) nach einer Expertenanhörung der DGZMK (Prof. C. Splieth, Greifswald) und der DGKiZ (Prof. U. Schiffner, Hamburg) erwirken. Dieser ist bereits ab dem 1. Juli 2016 gültig.

Nun ist die Zahnärzteschaft gefragt, diese zahnärztlichen Untersuchungen auch erfolgreich umzusetzen, um die Mundgesundheit der Säuglinge und Kleinkinder weiter zu verbessern. Dazu müssen flächendeckend die Generalisten, Familienzahnärzte und natürlich auch die Kinderzahnärzte bereitstehen, um eine moderne und wirksame Prävention bei den kleinen Kindern im Alter von 6 bis 64 Monaten umzusetzen. Ab 30 Monaten ist dies sicherlich schon Routine, da seit 2004 die Früherkennungsuntersuchungen implementiert sind. Diese beinhalten die Erkennung von oralen Erkrankungen wie Gingivitis und frühkindlicher Karies, die Feststellung von Risikofaktoren wie dentaler Plaque und häufigem Zuckerkonsum, eine Überwachung der physiologischen Entwicklung des stomatognathen Funktionssystems und die Erkennung pathologischer Zustände. Genauso wichtig sind aber die Aufklärung über die Kariesätiologie und eine Instruktion der Eltern in altersgemäßen häuslichen Präventionsmaßnahmen.

Nun gilt es, das Konzept der erfolgreichen zahnärztlichen Prävention auf die bisherige Präventionslücke vom sechsten bis 30. Lebensmonat vorzuziehen. Dazu wurde nach Vorarbeit durch eine Arbeitsgruppe aus KZBV, BZÄK, DGKiZ, BuKiZ und dem Hebammenverband in Kooperation mit der Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde der Universitätsmedizin Greifswald der Ratgeber "Zahnmedizinische Prävention der frühkindlichen Karies" (Abb. 2) erstellt, der u. a. online abrufbar ist.

Hervorzuheben ist, dass in der frühen Phase der Gebissentwicklung erwartungsgemäß wenig manifeste Karies vorliegt. Somit sollten Anzeichen einer Kariesaktivität wie Plaque, Gingivitis, beginnende Initialläsionen und kleinere kariöse Defekte frühzeitig erkannt werden (Abb. 3). Zudem sollte die spezifische Situation der jungen Familie erfasst werden. Insbesondere Kinder aus Haushalten mit niedrigerem sozioökonomischem Status unterliegen einem erhöhten Karies- bzw. ECC-Risiko. Anschließend sollen die betreuenden Personen in der häuslichen Mundhygiene am Kleinkind instruiert und trainiert werden. Nur so können die Eltern mit dem Wissen und der Befähigung für eine adäquate tägliche Mundhygiene entlassen werden. Der Ratgeber gibt detaillierte praktische Tipps für eine schrittweise Umsetzung beim halb-, ein- und eineinhalbjährigen Kind.

Der Ratgeber ist hier verfügbar. 


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