19.07.2017

ZAHNPASTA UND IHRE BESTANDTEILE

Die wichtigsten Inhaltsstoffe im Überblick

© elfgradost / Getty Images / iStock

Dr. Anna Plaumann, Zahnärztin, Kiel

Zahnpasta gibt es bereits seit etwa 7000 Jahren. Altägypter nutzten ein Pulver bestehend aus Eierschalen, Myrrhe, Bimssteinen und der Asche von Ochsenhufen, um Zahnauflagerungen zu entfernen. Die moderne Zahnpasta ist ein High-End-Produkt mit vielen Komponenten.

Dieser erste Teil unserer Reihe stellt die Hauptbestandteile von Zahnpasten vor und führt durch den Dschungel aus englischen, chemischen und deutschen Namen.

Putzkörper/Abrasivstoffe

Einer der Hauptbestandteile von Zahnpasta sind Putzkörper bzw. Abrasivstoffe. Allgemein gefasst unterstützen Abrasivstoffe die mechanische Reinigungswirkung der Zahnpasta. Ziel ist es dabei, Schleifkörper zu finden, die einerseits härter sind als Zahnauflagerungen, andererseits aber weicher als die Zahnhartsubstanz selbst, um deren unerwünschten Abtrag zu vermeiden. Da die einzelnen Zahnpartien verschieden hart sind, ist das eine Herausforderung. Bezogen auf den Schmelz ist es meist unproblematisch, da er relativ hart ist, Dentin und Zahnzement jedoch sind deutlich weicher und werden damit leichter abgetragen.

Einflussfaktoren der Reinigungsleistung sind wie erwähnt die Schleifkörperhärte, zusätzlich aber auch Form, Größe und Konzentration des Putzkörpers. Des Weiteren beeinflussen auch die Zahnbürste und die Steifigkeit der Borstenfilamente die Reinigung.

Zu beachten ist, dass Putzkörper - auch in geringer Menge - der Zahnpasta einen meist salzigen Geschmack geben und zudem das Schäumungsverhalten negativ beeinflussen. Im Durchschnitt sind etwa 20-40 % des Tubeninhalts Abrasivstoffe.

Als internationale Messgröße für die Abrasivität von Zahnpasta dient der sogenannte RDA-Wert, kurz für "radioactive dentine abrasion". Je höher der Wert, desto abrasiver die Zahnpasta. Er steht meist nicht auf der Verpackung, kann aber mit Glück im Internet gefunden oder beim Hersteller erfragt werden. Der für die tägliche Zahnpflege empfohlene Bereich liegt zwischen 30 und 80. Die Aussagekraft ist aufgrund unterschiedlicher Messverfahren allerdings eingeschränkt, weshalb der RDA-Wert lediglich der Orientierung dienen sollte.

Schäumer/Tenside

Wie der deutsche Name vermuten lässt, sind Tenside verantwortlich für das Schäumen der Zahnpasta im Mund. Zudem verringern sie die Oberflächenspannung des Speichels und sorgen dadurch für eine bessere Benetzung der Zahnoberfläche. Gleichzeitig verstärken sie die Reinigungswirkung der Putzkörper, indem sie die Plaqueablösung erleichtern.

Je nach chemischer Struktur besitzen Tenside unterschiedliche Ladungseigenschaften: Sie können anionisch (negativ geladen, reagiert mit positiven Teilchen), kationisch (positiv geladen, reagiert mit negativen Teilchen), amphoter (reagiert sowohl mit negativen als auch mit positiven Teilchen) oder nichtionisch (ungeladen) sein. Die Ladung eines Stoffs sagt etwas über seine Stabilität und Reaktionsfreude aus. In Zahnpasta spielen hauptsächlich die anionischen und amphoteren Moleküle eine Rolle. Bei der Verwendung anionischer Tenside besteht das Risiko, dass Schleimhautirritationen hervorgerufen werden. Aufgrund der erwähnten Ladung können Tenside auch in Wechselwirkung mit schlecht wasserlöslichen Stoffen treten, zum Beispiel mit Geschmacksstoffen oder einigen antimikrobiellen Substanzen, und so erst dafür sorgen, dass diese ihre Wirkung entfalten. Allerdings kann die Aktivität von Wirkstoffen nicht nur positiv, sondern auch negativ beeinflusst werden. So ist bis heute umstritten, ob das anionische Tensid Natriumlaurylsulfat die Wirkstärke des antimikrobiellen Wirkstoffs Chlorhexidin (mehr dazu in der nächsten Ausgabe) herabsetzt. In einer aktuellen Übersichtsarbeit, die sich mit genau dieser Frage beschäftigt, lautet die Schlussfolgerung, dass natriumlaurylsulfathaltige Zahnpasta die Wirkung einer folgenden Chlorhexidinspülung nicht beeinflusst. Dies wird in der Literatur allerdings sehr kritisch diskutiert. Vom Gesamtinhalt der Zahnpasta machen Schäumer etwa 0,5-2,5 Volumen-% aus.

Feuchthaltemittel

Knapp ein Drittel der Zahnpasta (20-30 Volumen-%) besteht aus Feuchthaltemitteln. Deren Aufgabe ist es, die Zahnpasta geschmeidig zu halten und ihr Glanz zu verleihen. Feuchthaltemittel schützen zudem die Paste vor dem Austrocknen und einem, Verkrusten. Das gängigste Feuchthaltemittel ist eine Kombination aus Glyzerin und Sorbitol.

Bindemittel/Emulgatoren

Damit sich Abrasivstoffe und Feuchthaltemittel gut miteinander vermischen und eine cremige Konsistenz bilden, bedarf es der Bindemittel, auch Verdickungs- bzw. Stabilisierungsmittel genannt. Sie verhindern die Trennung von Feuchtigkeit und festen Bestandteilen und verteilen alle Inhaltsstoffe gleichmäßig. Außerdem verleihen sie der Zahnpasta die nötige Standfestigkeit auf der Zahnbürste und ermöglichen ein vereinfachtes Herausdrücken aus der Tube. Bindemittel machen etwa 0,5-2,0 Volumen-% aus.

Geschmacksstoffe

Geschmacksstoffe sollen dem Verbraucher das Zähneputzen möglichst angenehm machen, indem sie den unangenehmen Geschmack der Abrasivstoffe und Tenside überdecken. Zusätzlich haben sie eine erfrischende Wirkung sowohl beim als auch nach dem Putzen. In Deutschland ist häufig ein Pfefferminzgeschmack zu finden. Geschmacksstoffe machen etwa 0,3-2,0 % des Zahnpastavolumens aus. Sie sind mit die teuersten und gleichzeitig unbeständigsten Inhaltsstoffe einer Zahnpasta. Oftmals werden ätherische Öle oder Aromen verwendet. Die häufigsten sind Pfefferminzöl, Nelkenöl, Anisöl, Zimtöl, Zitrusöle, Menthol und Saccharin. Hinzu kommt noch das "caprylic/capric triglyceride" (Neutralöl), das den Grundgeruch und -geschmack hemmt.

Süßstoffe

Süßstoffe dienen der reinen Geschmacksverbesserung. Je nach Hersteller werden entweder Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe verwendet. Die Konzentration in Zahnpasta übersteigt in der Regel nicht 0,5 Volumen-%.

Farbstoffe

Die Zugabe von Farbstoffen hat keinen primären Nutzen und dient vor allem der psychologischen Kundenakzeptanz. Zudem helfen die Farben, verschiedene Wirkungen oder Geschmäcker der Zahnpasta zu verstärken. So verbindet man eventuell Grün mit einem Geschmack nach Pfefferminz und Kräutern, Rot mit dem schützenden Effekt gegen Karies und Gingivitis. Blau verleiht Frische und Reinheit.

Auf die Frage, wie die Streifen in die Tube kommen, gibt es für gewöhnlich zwei Antworten, beruhend auf der Herstellung: Man unterscheidet Oberflächen- und Tiefenstreifen. Bei den Oberflächenstreifen entsteht das Muster erst beim Herauspressen der Zahnpasta aus der Tube. Die bunte Farbe ist in einem gesonderten Bereich der Tube verfüllt und mischt sich mit der meist weißen Zahnpasta über eine spezielle Düse am Ausgang der Tube. Bei den Tiefenstreifen wird die Zahnpasta bereits mit Streifen abgefüllt. Farbstoffe machen meist nur etwa 0,1 Volumen-% der Gesamtpaste aus und sind in der Regel als Color-Index(CI)-Nummer in der Liste der Inhaltsstoffe zu finden.

Konservierungsstoffe

Konservierungsstoffe werden bei der Verwendung nicht-ionischer Tenside benötigt, da sie die Zahnpasta bei längerer Lagerung vor Bakterienwachstum schüzen. Ein ausreichend hoher Anteil an Feuchthaltemitteln hat dieselbe Wirkung, so dass keine Konservierungsstoffe gebraucht werden. Die Konzentration liegt nicht über 0,2 Volumen-%.

Natriumlaurylsulfat

Natriumlaurylsulfat ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs der in Zahnpasta am häufigsten eingesetzte Schäumer. Es handelt sich um ein sehr preisgünstiges, synthetisch hergestelltes anionisches Tensid. Neben seiner Wirkung als Schäumer und Benetzer besitzt es einen antibakteriellen und antiviralen Effekt. In Konzentrationen bis zu 2% gilt es als gesundheitlich unbedenklich. Allerdings kann Natriumlaurylsulfat zu Schleimhautreizungen führen. Zudem könnte es einen negativen Einfluss auf die Entstehung von Aphthen haben. Deswegen sollte bei vermehrter Aphthenbildung eine Zahnpasta frei von Natriumlaurylsulfat empfohlen werden.

Der nächste Beitrag steht ganz im Zeichen der aktiven Substanzen. Seien Sie gespannt!


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