Neues zu Spätfolgen bei Typ-2-Diabetes

(kib) Eine erfolgreiche Gewichtsreduktion gilt als wichtiger Teil der Therapie von Typ-2-Diabetes. Trotzdem tauchen immer wieder Studien auf, die den Stellenwert des Abnehmens in Frage stellen. Neue Daten einer groß angelegten Beobachtungsstudie unterstreichen nun, wie wichtig die aktuellen Empfehlungen zur Gewichtsabnahme sind.

© pathdoc / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)


Das Gewicht spielt eine entscheidende Rolle für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes. Ob und wie Fettleibigkeit und Gewichtsveränderungen zu Spätfolgen von Typ-2-Diabetes führen, ist jedoch wenig erforscht. Insbesondere Studien, die Vergleichsdaten zwischen mikro- und makrovaskulären Erkrankungen liefern, fehlen bisher.

Mikrovaskuläre Komplikationen betreffen die kleinen Blutgefäße und können unheilbare Schäden in Nieren, Nerven und Augen verursachen, also zu Dialyse, Amputation und Blindheit führen. Makrovaskuläre Komplikationen wirken sich hingegen auf die großen Blutgefäße aus und begünstigen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes ihr Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall durch weniger Kilos auf der Waage kaum beeinflussen können. „Die meisten Studien beginnen allerdings bei bereits erkrankten Personen, bei denen das Gewicht auch Folge der medikamentösen Therapie sein kann. Wir haben den Body-Mass-Index (BMI) vor der Diabetesdiagnose und somit unbeeinflusst durch die Therapie untersucht“, erklärt die Erstautorin Elli Polemiti, Promovierende der Abteilung Molekulare Epidemiologie von Professor Schulze am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).

Konkret untersuchte das Team um Schulze, ob der BMI vor einer Typ-2-Diabetes-Diagnose und eine BMI-Änderung nach der Diagnose im Zusammenhang mit dem Auftreten mikro- und makrovaskulärer Komplikationen steht. Dafür beobachtete das Forschungsteam über zehn Jahre hinweg rund 1000 Teilnehmende der EPIC-Potsdam-Studie mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes, die frei von anderen chronischen Krankheiten waren.

Keinen eindeutigen Zusammenhang konnten die Forschenden zwischen dem BMI und dem Auftreten makrovaskulärer Komplikationen feststellen. Anders sah es mit den mikrovaskulären Komplikationen aus: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Übergewicht die Funktion der kleinsten Blutgefäße, also der Arteriolen und Kapillaren, stören kann.

Jeder um fünf Punkte höhere BMI zum Zeitpunkt der Diabetes-Diagnose war mit einem 21 Prozent höheren Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen verbunden. "Dieses kontinuierlich steigende Risiko ist unabhängig vom Ausgangswert. Das heißt, ein Patient mit einem BMI von 35 im Vergleich zu 30 hat ein um 21 Prozent höheres Risiko. Genauso jemand, der einen BMI von 28 im Vergleich zu 23 hat", erklärt Polemiti.

Das Forschungsteam untersuchte auch die Auswirkungen von Gewichtsveränderungen nach der Diabetes-Diagnose. "Unsere Daten bestärken die Empfehlungen zum Gewichtsmanagement: Je stärker die Gewichtsabnahme nach der Diagnose war, desto geringer war auch das Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen. Nahmen die Probanden jedoch stattdessen zu, so stieg auch das Risiko", fasst Schulze die Ergebnisse zusammen.

Aus Sicht der Forscher zeigen die Ergebnisse, wie wichtig die Gewichtsabnahme für die Verhinderung schwerer Spätfolgen eines Typ-2-Diabetes ist.

Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung


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