Rauchen ist stärkster Risikofaktor für Krebstod

Fast die Hälfte aller Krebstodesfälle weltweit war im Jahre 2019 auf Risikofaktoren zurückzuführen, allen voran Rauchen, Alkoholkonsum und Übergewicht.

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Ingrid Kreutz


Der Einfluss von Risikofaktoren, was Krebs betrifft, wurde bereits in vielen Studien untersucht, allerdings wurden dabei meist nur einzelne Risikofaktoren weltweit unter die Lupe genommen oder es wurden mehrere Risikofaktoren nur in einzelnen Ländern untersucht. Eine aktuelle Analyse von Daten der Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors (GBD)-Studie 2019 deckt nun 34 Risikofaktoren für Tod und schlechten Gesundheitszustand bei 23 Krebsarten ab. Im Fokus standen Lebensstil-, Stoffwechsel-, Umwelt- und Arbeitsplatz-Faktoren. Untersucht wurde der Einfluss der Faktoren auf die Mortalität und die sogenannten DALYs (Disability-Adjusted Life-Years) als Maß für verlorene Lebensjahre infolge von Tod und Lebensjahre mit gesundheitlicher Einschränkung.

34 Risikofaktoren bei 23 Krebsarten untersucht

Die in der Studie untersuchten Risikofaktoren waren im Jahre 2019 die Ursache von 4,45 Millionen Krebstodesfällen und damit von 44,4 Prozent aller Krebstodesfälle weltweit, wie die Forscher um Dr. Christopher Murray, Direktor des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) an der University of Washington’s School of Medicine, berichten (Lancet 2022, online 18. August). Als die drei führenden Todesursachen haben sich dabei Rauchen, Alkoholkonsum und ein hoher BMI herausgestellt. Die Risikofaktoren trugen außerdem zu 105 Millionen Krebs DALYs bei beiden Geschlechtern bei. Das waren 42,0 Prozent aller DALYs im Jahr 2019.

Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und ungesunde Ernährung waren für die meisten krebsbedingten Todesfälle (3,7 Millionen) und DALYs (87,8 Millionen) verantwortlich. Der Hauptrisikofaktor für Krebstod und schlechte Gesundheit war für beide Geschlechter das Rauchen, gefolgt von Alkoholkonsum und hohem BMI.

Es ergaben sich jedoch Unterschiede bei den Geschlechtern. So war jeder zweite Krebstod bei den Männern (50,6 Prozent; 2,88 Millionen Krebstodesfälle) im Jahr 2019 durch die untersuchten Risikofaktoren bedingt. Bei den Frauen war es mehr als ein Drittel (36,3 Prozent, 1.58 Millionen Krebstodesfälle). Außerdem: Bei den Männern wurden mehr verlorene Lebensjahre und gesundheitliche Beeinträchtigungen infolge von Umwelt-, Arbeitsplatz- und Lebensstilfaktoren ermittelt als bei den Frauen.

Die häufigste Ursache mit 36,9 Prozent der durch die Risikofaktoren bedingten Krebstodesfälle waren weltweit sowohl bei Männern als auch bei Frauen Luftröhren- und Lungenkrebs, gefolgt von kolorektalen Karzinomen (13,3 Prozent), Ösophaguskarzinom (9,7 Prozent) sowie Magenkrebs bei Männern und Zervixkrebs (17,9 Prozent), kolorektalen Karzinomen (15,8 Prozent) und Brustkrebs (11 Prozent) bei Frauen.

Immer mehr Krebstodesfälle durch Risikofaktoren

Im Jahr 2019 ereigneten sich die Krebstodesfälle und die durch die untersuchten Risikofaktoren bedingten Krebstodesfälle häufiger in Ländern mit hohem Sozio-demographischem Index (SDI). Die fünf Regionen mit den meisten durch die Risikofaktoren bedingten Krebstodesfällen waren: Mitteleuropa (82,0 Todesfälle pro 100.000 Bewohner), Ostasien (69,8 pro 100.000), Nordamerika (66,0 pro 100.000); das südliche Latein-Amerika (64,2 pro 10.000) und Westeuropa (63,8 pro 100.000).

Ein weiteres Ergebnis: Die Zahl der Krebstodesfälle infolge von Risikofaktoren nahm von 2010 bis 2019 weltweit um schätzungsweise 20,4 Prozent zu, und zwar von 3,7 Millionen auf 4,45 Millionen. Und die gesundheitliche Beeinträchtigung infolge einer Krebserkrankung nahm um 16,8 Prozent zu, und zwar von 89,9 Millionen DALYs auf 105 Millionen. Der Hauptgrund für die Zunahme der Todesfälle und gesundheitlichen Beeinträchtigung waren metabolische Risikofaktoren: Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich um 34,7 Prozent, und zwar von 643.000 Todesfällen im Jahr 2010 auf 865.000 Todesfälle im Jahr 2019. Die DALYs stiegen um 33,3 Prozent von 14,6 Millionen im Jahre 2010 auf 19,4 Millionen im Jahre 2019).

Künftig müssten noch mehr Anstrengungen unternommen werden, um die hier untersuchten Risikofaktoren zu vermeiden oder zumindest zu minimieren, folgern die Studienautoren aus ihren Ergebnissen. Ähnlich sehen es Professor Diana Sarfati and Dr. Jason Gurney von der University of Otago in Neuseeland, in einem begleitenden Kommentar zur Studie: „Die Primärprävention von Krebs durch Eradikation oder Manipulation von beeinflussbaren Risikofaktoren ist unsere größte Hoffnung zur Verringerung der krebsbedingten Todesfälle und gesundheitlichen Beeinträchtigung.“

Quelle: Ärzte Zeitung


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