19.07.2017 Zum Themendossier: Abrechnungstipps

EXZISION EINER SCHLEIMHAUT-WUCHERUNG

Gut abgeschnitten in BEMA und GOZ (Teil 2)

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Dr. Dr. Josef Schardt, Arzt und Zahnarzt, Waldbrunn

Wucherungen der Schleimhaut sind Neubildungen im Bereich des oralen Weichgewebes. Sie haben vielfältige Ursachen und unterschiedliche Formen. Sie stellen den Zahnarzt vor das differenzialdiagnostische Problem, eine gutartige von einer bösartigen Geschwulst zu unterscheiden.

Die "Exzision einer Schleimhautwucherung" wird im BEMA unter Nr. 50 abgerechnet. Im Leistungstext findet sich ergänzend "z. B. lappiges Fibrom, Epulis". Das "z. B." bedeutet abrechnungstechnisch, dass es sich um eine beispielhafte Aufzählung handelt, die nicht abschließend ist. Weitere Tumorformen sind also möglich.

Beim Fibrom handelt es sich um eine gutartige Bindegewebswucherung, die häufig bei schlecht sitzenden Prothesen als Folge einer chronischen Reizung entsteht ("Reizfibrom").

Eine Epulis ist eine ebenfalls gutartige Geschwulst, die als knotenförmige Schleimhautwucherung im Gebiet eines oder benachbarter Zähne vorliegt. Sie geht in der Regel von den Kapillargefäßen des Zahnhalteapparats aus.

Nach Angaben im statistischen Jahrbuch der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) wurde die BEMA-Nr. 50 (Exz 2) im Jahr 2016 bundesweit mehr als 558.000 Mal abgerechnet. Im Vergleich dazu wird jedoch die "kleine Schwester" BEMA-Nr.49 (Exz 1) zwölfmal häufiger erbracht. Die Abrechnung der chirurgischen Leistung Nr. 50 ist also keine alltägliche Maßnahme des Allgemeinzahnarztes.

Sie wird mit 37 Punkten bewertet.

Die Abrechnungsbestimmungen besagen, dass Nr. 50 nicht abrechenbar ist, wenn in derselben Sitzung im selben Gebiet eine andere chirurgische Leistung vorgenommen wird. Nr. 50 ist mehrfach je Kiefer abrechnungsfähig, wenn es sich um getrennte Operationsgebiete handelt.

Kommt es bei einer Exzision zu einer übermäßigen Blutung, die über das normale Maß hinausgeht, und erfordert die Stillung einen erheblichen Zeitaufwand (>10 min), so kann neben Nr. 50 auch Nr. 36 (Nbl 1) oder Nr. 37 (Nbl 2) zusätzlich abgerechnet werden. Bei Nbl 1 muss der Zeitaufwand und bei Nbl 2 die Maßnahme dokumentiert werden.

Im Rahmen einer parodontalchirurgischen Behandlung ist eine Besonderheit zu beachten: Wenn nur wenige parodontal erkrankte Zähne vorliegen, können bis maximal 3 Zähne statt einer systematischen PAR-Behandlung (mit Abrechnung über einen PAR-Behandlungsplan) über den Tarif KCH (Quartalsabrechnung) abgerechnet werden. Hierfür gelten jedoch die gleichen Regeln wie für die Vorbehandlungsphase und Durchführung einer systematischen PAR-Behandlung. Für die Nachbehandlungen wird dann statt Nr. 111 die Nr. 38 (N) verwendet.

Falls nach einer geschlossenen PAR-Therapie noch eine Ergänzungstherapie mit offener Kürettage durchgeführt werden muss, ist die Anwendung der BEMA-Nr. 50 ausgeschlossen.

In der GOZ finden wir die entsprechende Leistung "Exzision einer Schleimhautwucherung größeren Umfangs" unter Nr. 3080. Wie im BEMA werden beispielhaft das lappige Fibrom und die Epulis genannt. Auf den ersten Blick erscheinen BEMA und GOZ identisch. In der GOZ ist jedoch die Rede von der "Exzision einer Schleimhautwucherung größeren Umfangs". Bei Anwendung eines Lasers ist der Zuschlag 0120 einmal je Behandlungstag ansetzbar. Dieser bemisst sich nach dem einfachen Gebührensatz der betreffenden Leistung, also hier Nr. 3080. Er beträgt somit 8,44 Euro.

Wie im BEMA kann in der GOZ Nr. 3080 mehrfach berechnet werden, wenn es sich um getrennte Operationsgebiete handelt.

Nach dem aktuellen Ersatzkassenpunktwert (in Hessen) erhält der Zahnarzt bei Kassenpatienten 38,05 Euro. Für die gleiche Leistung erhält er bei Privatpatienten beim Schwellenwert (Faktor 2,3) ganze 19,40 Euro.

Beim 3,5-fachen Faktor mit genauer Begründung erhält der Zahnarzt 29,53 Euro. Selbst wenn er über ein kostspieliges Lasergerät verfügt, kann er beim Privatpatienten mit zusätzlichen 8,44 Euro nicht das Honorar des Kassenpatienten erreichen.

In der GOÄ gibt es unter Nr. 2404 die "Exzision einer größeren Geschwulst". Die

Abgrenzung zur "Exzision einer Schleimhautwucherung größeren Umfangs", wie der Leistungstext in BEMA und GOZ lautet, findet sich weder in einer Anrechnungsbestimmung noch in einem Kommentar.

Daher sollte Folgendes beachtet werden:

1. Für die "Exzision einer größeren Geschwulst (z. B. Ganglion, Fasziengeschwulst, Fettgeschwulst, Lymphdrüse, Neurom)" sind für den Zahnarzt bei Privatpatienten auch die GOÄ-Nr. Ä2404 und der zugehörige OP-Zuschlag Ä443 offen. Das Honorar für Ä2404 beträgt beim 2,3-fachen Faktor 74,27 Euro und zusätzlich 43,72 Euro für den OP-Zuschlag Ä443. Hieraus resultiert ein Gesamthonorar beim Privatpatienten in Höhe von 117,99 Euro.

2. Bei Kassenpatienten ist ebenfalls die GOÄ-Nr. 2404 möglich, allerdings ohne OP-Zuschlag. Hier beträgt die Punktzahl 62. Das Honorar errechnet sich aktuell aus dem Ersatzkassenpunktwert (Hessen): 63,75 Euro.

Probeexzisionen zur pathologischen Diagnostik werden nicht nach BEMA-Nr. 50 oder GOZ-Nr. 3080 abgerechnet. Hierfür sind die GOÄ-Nrn. Ä2401 für oberflächliche und Ä2402 für tief liegende Gewebeentnahmen anzusetzen.

Teil 1 "Abschneiden richtig abrechnen" finden Sie hier.


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