Kinder mit Kopfschmerzen tun sich in der Schule schwerer

Kinder mit Kopfschmerzen fehlen häufiger in der Schule und haben dort öfter Probleme als Kinder ohne solche, sagt eine Studie aus. Welche Kinder besonders betroffen sind.

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Thomas Müller


 Starke und behindernde Kopfschmerzen treten bei Kindern zwar relativ selten auf, gehen dann aber mit hohen Fehlzeiten und einer schlechten Lebensqualität einher. Wie stark sich Kopfschmerzen auf Leistungen und Probleme in der Schule auswirken, ist noch relativ wenig erforscht. Ein großer US-Survey zur Kindergesundheit liefert da etwas mehr Klarheit. Danach lassen sich Fehlzeiten, Schulprobleme und Sitzenbleiben bei Kindern mit ausgeprägten Kopfschmerzen zwei- bis dreifach häufiger als bei Kindern ohne Kopfschmerzen beobachten (JAMA Ped 2021; online 1. Februar).

Pädiater um Dr. Scott Turner von der Universität in Birmingham, USA, kommen zu diesem Schluss, nachdem sie Angaben des Surveys aus den Jahren 2017 und 2018 zu über 34.400 Kindern im mittleren Alter von zehn Jahren ausgewertet haben. Die Eltern wurden unter anderem danach gefragt, ob Ärzte bei ihren Kindern schon einmal häufige oder schwere Kopfschmerzen diagnostiziert hatten und ob die Kinder noch immer darunter litten. Bei 3,7 Prozent der Kinder bejahten die Eltern beide Fragen. Solche Kinder fielen rund sechsfach häufiger durch Absentismus auf, definiert als mindestens elf Fehltage im zurückliegenden Jahr, verglichen mit Kindern ohne Kopfschmerzen (17,3 Prozent versus 3,5 Prozent). Knapp 23 Prozent der Eltern von Kindern mit Kopfschmerzen wurden mindestens zweimal im Jahr von der Schule wegen Problemen kontaktiert, dies betraf jedoch nur 10 Prozent der Eltern von Kindern ohne Kopfschmerzen. 8,3 Prozent der Kinder mit, aber nur 5,0 Prozent ohne Kopfschmerzen hatten schon einmal eine Klasse wiederholt.

Kopfschmerz häufig ein soziales Problem

Der Zusammenhang schwächte sich jedoch deutlich ab, wurden Faktoren wie Haushaltseinkommen, Alter, Geschlecht, Ethnie und Begleiterkrankungen, etwa Allergien, Ängste, Depressionen oder ADHS berücksichtigt. Dann ergab sich für Kinder mit Kopfschmerzen noch eine 2,7-fach erhöhte Rate für häufiges Fehlen sowie eine 60 Prozent erhöhte Rate für Probleme in der Schule. Kinder mit Kopfschmerzen blieben dann nur noch zu 30 Prozent häufiger sitzen als solche ohne, diese Zusammenhang war in der multivariaten Regressionsanalyse aber nicht mehr statistisch signifikant.

Ein Großteil der Assoziation zwischen Kopfschmerzen und Defiziten in der Schule ließ sich auf Alter, sozioökonomische Faktoren und Begleiterkrankungen zurückführen. Kinder im Alter von 15–17 Jahren wiesen rund 60 Prozent häufiger Fehlzeiten auf als solche unter zwölf Jahren, auch hatten sie doppelt so oft schon eine Klasse wiederholt. Kinder aus den reichsten Familien fehlten weniger als halb so oft wie solche aus den ärmsten. Krankheiten wie Asthma, Epilepsien und psychische Störungen gingen mit einer zwei- bis dreifach erhöhten Rate für häufige Fehlzeiten einher.

Die Schule wurde vor allem dann bei den Eltern vorstellig, wenn es sich um Jungen handelte, ebenso bei Afroamerikanern, Kindern aus armen Familien, Allergikern oder Kindern mit psychischen Störungen. Am häufigsten sitzen blieben Jugendliche, arme Kinder, Latinos und ADHS-Kranke.

Inwiefern Kopfschmerzen tatsächlich die Schulleistungen beeinträchtigen, lässt sich anhand des Surveys natürlich nicht sagen. Kopfschmerzen scheinen hier zunächst einmal ein Marker für psychische und körperliche Begleiterkrankungen sowie Probleme im sozialen Umfeld zu sein. Möglicherweise ließe sich also mehr damit erreichen, dort anzusetzen, als mit medizinischen Interventionen.

Quelle: www.aerztezeitung.de


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