Muskelschwund nach 150 Liegestützen

Wohl nicht so ganz in Form war ein 16-jähriger Junge: Bereits drei Tage nach Beginn eines Liegestütztrainings fingen seine Armmuskeln an, sich unter der Belastung aufzulösen.

© zeremskimilan / stock.adobe.com

Von Thomas Müller


Diese Jugendlichen – da trainieren sie jahrelang nur ihre Finger auf der Handytastatur, und plötzlich wollen sie von einem Tag auf den anderen ernsthaft Sport treiben. Kein Wunder, dass der Körper nicht mitspielt. Ob sich jedoch eine ausgewachsene Rhabdomyolyse nach einigen Liegestützen einzig mit einer schlechten Kondition erklären lässt, dürfte fraglich sein. Jedenfalls gab ein 16-jähriger Junge mit starken Armbeschwerden beim Arzt an, er habe an drei Tagen hintereinander lediglich jeweils 50 Liegestützen absolviert. Dann fingen die belasteten Muskeln an zu schmerzen und zu schwellen.

Als die Beschwerden trotz Trainingsstopps auch nach drei Tagen nicht zurückgegangen waren, konsultierte er eine hausärztliche Ambulanz am Uniklinikum in Chiba. Dort stellten Experten um Dr. Kiyoshi Shikino ausgeprägte Schwellungen an beiden Armen und im Brustbereich fest (Clev Clin Med 2017; 84:509–510). Betroffen waren beidseitig vor allem Trizeps-, Delta- und großer Brustmuskel. Das Training mit den Liegestützen erschien also plausibel.

Laboruntersuchung liefert Erklärung

Die Muskeln fühlten sich weich und schwach an. Laboruntersuchungen ergaben eine Kreatinkinase-Konzentration von knapp 60.000 U/l. Normal sind Werte von 30–220 U/l. Das Team um Shikino veranlasste eine MRT-Untersuchung des Arm- und Brustbereichs. Die Ärzte erkannten diffuse Hyperintensitäten in der betroffenen Muskulatur sowohl in T1- als auch T2-gewichteten Aufnahmen. Dies deuteten sie zusätzlich zu den erhöhten Kreatinkinasewerten als Zeichen einer Rhabdomyolyse.

Shikino und Mitarbeiter fanden zwar keine Hinweise auf ein anstehendes Nierenversagen oder eine Hyperkaliämie, verabreichten dem jungen Patienten aber sicherheitshalber Flüssigkeitsinfusionen. Die Kreatinkinasewerte sanken darauf hin schnell und erreichten nach zwei Wochen Werte unter 200 U/l. Der Jugendliche durfte dann wieder – wenn auch etwas vorsichtiger – mit seinem Training beginnen. Bei den meisten Patienten mit Rhabdomyolyse fällt neben Muskelschmerzen, -schwäche und -schwellungen auch ein dunkler Urin auf. Letzteren hatte der Junge nach eigenen Angaben aber nicht bemerkt.

Ratschlag für Sportler

Gehen Muskelschmerzen nicht innerhalb von drei Tagen nach einer starken Belastung zurück, sollten Ärzte hellhörig werden, denn dann könnte auch eine Rhabdomyolyse die Ursache sein. Sie kann unbehandelt zum Nierenversagen führen, geben die Wissenschaftler zu bedenken.

Eine Rhabdomyolyse infolge körperlicher Anstrengung tritt vor allem dann auf, wenn sich zur ungewohnten Belastung hohe Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit gesellen. Eine Hypokaliämie durch übermäßigen Flüssigkeitsverlust kann den Prozess beschleunigen, schreiben die Ärzte aus Chiba.

Wer es an schwülheißen Tagen mit dem Training etwas langsamer angehen lässt, macht also nichts falsch.

Rhabdomyolyse – 3 Kriterien

» Bei den meisten Patienten fällt neben Muskelschmerzen, -schwäche und -schwellungen auch dunkler Urin auf.

» Häufig ist die Kreatininkinase-Konzentration erhöht, im Fall des 16-Jährigen auf 60.000 U/l. Normwerte liegen zwischen 30 und 200 U/l.

» Als Ursache werden traumatische (etwa Quetschungen oder exzessive Muskelarbeit) und atraumatische (etwa Medikamente oder immunologische Erkrankungen) unterschieden.

Quelle: Ärzte Zeitung


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